Rückschlag für Trump beflügelt Euro

US-Präsident Trump muss mit seiner Gesundheitsreform eine neue Schlappe einstecken. An den Finanzmärkten wachsen daraufhin die Zweifel an der US-Regierung weiter.

Frankfurt

In den USA stehen die Pläne von Präsident Trump zum Rückbau der Gesundheitsreform seines Vorgängers Barack Obama offenbar vor dem Aus. Zwei weitere republikanische Parlamentarier hatten ihren Widerstand zur überarbeiteten Gesundheitsreform angekündigt, ohne die es keine Mehrheit für das Projekt geben kann. An den Finanzmärkten sorgte die Meldung für neue Zweifel an der grundsätzlichen Durchsetzungsfähigkeit der Regierung in Washington. Der US-Dollar verlor in kurzer Zeit deutlich gegenüber dem Euro, der auf rund 1,15 Dollar stieg. Der Wertzuwachs der europäischen Gemeinschaftswährung belastete wiederum den Aktienmarkt. Der Dax rutschte am Dienstag um rund 1 Prozent ab.

“Offensichtlich haben immer noch einige Marktteilnehmer darauf gehofft, dass die Gesundheitsreform eventuell doch noch vor der Sommerpause durch den Senat geht und damit die große Wende im US-Reform-Stau einläutet”, kommentierte Devisen-Expertin Esther Reichelt von der Commerzbank. Im weiteren Handelsverlauf können noch wichtige Konjunkturdaten für weitere Impulse an den Märkten sorgen. So werden unter anderen die Konjunkturerwartungen des Zentrums für Europäische Wirtschaftsforschung (ZEW) und Preisdaten aus den USA erwartet.

Zudem steht am Donnerstag der Zinsentscheid der Europäischen Zentralbank an. Zwar erwarten Ökonomen bei dieser Sitzung noch keine Schritte in Richtung einer geldpolitischen Wende Doch die Anleger dürften jedes Wort von Präsident Mario Draghi mit Blick auf die weitere Geldpolitik auf die Goldwaage legen. Am Dienstagmorgen sollten sich die Blicke der Anleger zudem auf die ZEW-Konjunkturerwartungen richten.

Gewinnziele angehoben

Derweil erhöhte die Lufthansa nach einer überraschend deutlichen operativen Gewinnsteigerung (bereinigtes Ebit) im ersten Halbjahr ihr Ebit-Jahresziel. Dank einer starken Ticketnachfrage hat die Fluggesellschaft im ersten Halbjahr den Gewinn mit 1,04 Milliarden Euro fast verdoppelt. Im Gesamtjahr will Vorstandschef Carsten Spohr den Wert von 1,75 Milliarden Euro aus dem Vorjahr nun übertreffen – auch dank der Billigmarke Eurowings. Bisher hatte der Manager einen leichten Rückgang angekündigt, auch wenn Analysten bereits von gut 2,1 Milliarden Euro ausgingen.

Das Analysehaus S&P Global erhöhte das Kursziel für die Aktie von 18 auf 23 Euro und liegt damit über dem letzten Xetra-Schlusskurs von 21,115 Euro, blieb aber beim Anlagevotum “Hold”. Experte Firdaus Ibrahim erhöhte wegen des neuen Ausblicks seine Gewinnschätzungen. Im Kurs seien die positiven Aspekte aber schon eingepreist, betonte er. Seit Jahresbeginn hat die Lufthansa-Aktie bereits um 72 Prozent zugelegt, womit sie unangefochtener Spitzenreiter im Dax ist und auf dem höchsten Stand seit Oktober 2007 notiert.

Auch die Software AG blickt dank guter Geschäfte mit der Digitalisierung etwas zuversichtlicher als bisher auf das zweite Halbjahr. Das Management erhöhte die Prognose für die operative Ergebnismarge (bereinigtes Ebita) auf 31,0 bis 32,0 Prozent, wie das im TecDax notierte Unternehmen am frühen Dienstagmorgen überraschend mit Zahlen für das zweite Quartal mitteilte. Zuvor hatten die Darmstädter 30,5 bis 31,5 Prozent erwartet.

Schwächere Zahlen

Mit dem Online-Modehändler Zalando und dem Autozulieferer Schaeffler berichteten weitere Unternehmen über ihre jüngste Geschäftsentwicklung. Europas größter Online-Modehändler Zalando hat seinen Umsatz im Frühjahrsquartal dabei nicht so stark wie erwartet gesteigert. Der Erlös kletterte von April bis Juni zwischen 19 und 21 Prozent auf 1,09 bis 1,11 Milliarden Euro, wie das Berliner Unternehmen mitteilte. Von der Nachrichtenagentur Reuters befragte Analysten hatten hier gut 22 Prozent erwartet. Das bereinigte Ergebnis vor Zinsen und Steuern (Ebit) lag zwischen 80 und 86 Millionen Euro, was einer Marge von 7,3 bis 7,8 Prozent entspricht. Zum Börsenstart gab die Zalando-Aktie spürbar nach.

Schaeffler hat wegen seiner Probleme mit dem Preisdruck in der Automobilindustrie im ersten Halbjahr deutlich schwächer abgeschnitten. Das um Sondereffekte bereinigte operative Ergebnis sackte gegenüber dem Vorjahreszeitraum um 9,1 Prozent auf 780 Millionen Euro ab, wie das im MDaxnotierte Unternehmen auf Basis vorläufiger Zahlen mitteilte. Die entsprechende Ergebnismarge sank von 12,8 auf 11,1 Prozent. Der Umsatz kletterte hingegen von 6,7 auf 7,0 Milliarden Euro. Die Zahlen kamen allerdings nicht überraschend. Bereits vor rund drei Wochen hatte Schaeffler wegen der schwachen Geschäftsentwicklung von April bis Juni seine Jahresprognosen gesenkt.

Onvista/dpa-AFX/Reuters

Foto: Deutsche Börse