Lufthansa-Aktie rutscht trotz starker Geschäftszahlen ab

Lufthansa-Aktien brechen am Dienstag ein. Und das trotz einer überraschend deutlichen Gewinnsteigerung im ersten Halbjahr und der Anhebung der Jahresziele.

Lufthansa

Die starke Nachfrage nach Flugtickets beflügelt die Gewinnpläne der Lufthansa. Von Januar bis Juni verdiente der Dax-Konzern im operativen Geschäft fast doppelt so viel wie ein Jahr zuvor. Für das Gesamtjahr erwartet Vorstandschef Carsten Spohr jetzt ebenfalls eine Steigerung, Analysten gehen von gut 2,1 Milliarden Euro aus. Rückenwind kommt von der stark wachsenden Billigmarke Eurowings, die jetzt schon 2017 in die schwarzen Zahlen fliegen soll. Auch im Frachtgeschäft lief es offenbar besser als noch vor wenigen Monaten gedacht.

An der Börse wurden die Nachrichten dennoch mit einem Kursrutsch quittiert. Nachdem der Dax-Konzern die Eckdaten und die erhöhte Gewinnprognose am Montagabend überraschend bekanntgemacht hatte, verlor die Lufthansa-Aktie am Dienstagmorgen 4,16 Prozent an Wert auf 20,235 Euro und war damit Schlusslicht im Dax. Im weiteren Handelsverlauf erholten sich die Papiere zwar, lagen mit einem Minus von fast 2 Prozent aber immer noch deutlich in den roten Zahlen.

Ein Aktienhändler erklärte den Einbruch damit, dass Anleger die Kursgewinne der vergangenen Monate mitzunehmen versuchten. So hatte die Lufthansa-Aktie von Jahresbeginn bis Montagabend rund 72 Prozent an Wert gewonnen und sich damit so gut entwickelt wie kein anderes Papier im Dax.

Gewinnwachstum auf breiter Front

Im ersten Halbjahr profitierte die Lufthansa vom Passagiergeschäft ebenso wie von ihren übrigen Geschäftsfeldern. Der operative Gewinn (bereinigtes Ebit) lag mit 1,04 Milliarden Euro knapp doppelt so hoch wie ein Jahr zuvor. Im Gesamtjahr will Spohr den Wert von 1,75 Milliarden Euro aus dem Vorjahr nun übertreffen. Bisher hatte er einen leichten Rückgang angekündigt – auch wenn Analysten schon länger optimistischer waren und der Manager schon im Juni von einem bevorstehenden Rekord-Sommer geschwärmt hatte.

So konnte auch die Passagiersparte in den ersten sechs Monaten ihr operatives Ergebnis in etwa verdoppeln. Gleiches galt für die übrigen Konzernbereiche Cargo, Technik und Bordverpflegung, wenn man ihre Ergebnisse zusammenrechnet. Der Konzernumsatz stieg von 15 Milliarden auf 17 Milliarden Euro und machte die um 223 Millionen Euro gestiegenen Treibstoffkosten mehr als wett. Billig-Tochter als Wachstumstreiber

Die Mehrausgaben für Kerosin hängen mit der Ausweitung des Flugangebots zusammen. Seit der Komplettübernahme von Brussels Airlines im Januar muss die Lufthansa mehr Flugzeuge betanken, konnte dadurch aber auch mehr Flugtickets verkaufen. Das gleiche gilt für die mehr als 30 Airbus-Jets von Air Berlin, die seit diesem Frühjahr samt Besatzung vor allem für die Lufthansa-Billigmarke Eurowings an den Start gehen. Im ersten Halbjahr hatte der Lufthansa-Konzern die Zahl der Passagiere dank der zusätzlichen Maschinen um 17 Prozent auf fast 60 Millionen Fluggäste gesteigert.

Für Eurowings sieht Lufthansa-Chef Spohr einen Gewinn früher in Sicht als bisher gedacht. Trotz der enormen Anfangsinvestitionen für den Geschäftsausbau werde die Lufthansa-Zweitmarke aller Voraussicht nach schon in diesem Jahr in die schwarzen Zahlen fliegen, kündigte der Manager auf Twitter an. Eigentlich hatte er die Gewinnschwelle erst für 2018 angepeilt. Brussels und die gemieteten Air-Berlin-Jets sollen im zweiten Halbjahr nun einen leicht positiven Ergebnisbeitrag liefern. Die Anstrengungen der Mitarbeiter in allen Geschäftsbereichen zahlten sich aus, schrieb Spohr.

Ticketpreise im Sinkflug

Dennoch sagt er dem Konzern für das zweite Halbjahr keine so großen Ergebnissprünge mehr voraus. Bei den Vorausbuchungen für das reisestarke dritte Quartal habe sich der Ausblick im Passagiergeschäft stabilisiert. Die Ticketpreise dürften in der zweiten Jahreshälfte allerdings niedriger ausfallen als ein Jahr zuvor. Die Stückkosten sollen lediglich leicht sinken, wenn man Kerosin und Währungsschwankungen herausrechnet.

Für die Cargo, Technik und Bordverpflegung stellte Spohr für die zweite Jahreshälfte insgesamt ein operatives Ergebnis auf Vorjahresniveau in Aussicht. Cargo-Chef Peter Gerber hatte bereits Anfang Juli von einem sehr guten Geschäftsverlauf berichtet. Im vergangenen Jahr war die Frachtsparte in die roten Zahlen geflogen. Auch für 2017 hatte das Cargo-Management bislang einen Verlust angekündigt. Genaueres dazu und weitere Zahlen soll es am 2. August geben, wenn die Lufthansa wie geplant ihren Zwischenbericht veröffentlicht.

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